diverse Diagramme

paradox

das projekt ist eine versuch sich in einem phaenomen zurechtzufinden, das mit herkoemmlichen erkenntnismethoden unzugaenglich scheint. es laesst sich weder einfach besprechen noch einfach bezeichnen und kaum beschreiben.

wir versuchen es abzuschreiten, eine grenze zu finden, die es umreisst. das projekt wir gleichsam eine treibjagd, bei der die jaegerInnen von verschiedenen gebieten aus das paradoxe in die enge treiben, ohne jemals daran zu zweifeln, dass die jagd zum scheitern verurteilt ist. damit ist unsere technik einem wissenschaftlichen vorgehen entgegengesetzt, das schon in der aufgabenstellung die machbarkeit und ueberpruefbarkeit zu garantieren versucht .wir sammeln wissen, wir sammeln erfahrungen. jeder fehlschlag ist ebenso wertvoll wie ein erfolg.

das vergessen laesst sich nicht richten, es verweigert jede eindimensionale interpretation. vergessen ist nicht dogmatisch. diskontinuitaet auf allen ebenen scheint vorzuherrschen.

das projekt ist ein versuch aktiv mit einem aspekt des lebens umzugehen, der von unserer erkenntnismaschinerie fast gaenzlich ignoriert wird. vergessen wird vor allem im zusammenhang mit krankheiten, fehlleistungen und unannehmlichkeiten erwaehnt. wir vergessen die geschichte, wir vergessen unsere vergangenheit, wir vergessen die telefonnummern.

was ist das regelmaessige dahinter, gibt es ein system, kann man darueber sprechen, kann man damit arbeiten, kann man es sich bewusst machen, wollen wir etwas ueber das vergessen wissen? koennen wir etwas ueber das vergessen wissen? wir machen projekte ueber aspekte und grenzen des vergessens, wo man es sichtbar oder hoerbar oder erfahrbar machen kann. wir inszenieren situationen und objekte die darauf hinweisen. wir betrachten unsere umgebung unter dem aspekt des vergessen. wo koennen wir es erfahren? welche erfahrungen sind durchgaengig.

wir wollen ihm ein image anhaengen, ein positiveres als das pathogene. wir weigern uns nur den teil des lebens fuer erfahrbar zu halten, der formulierbar, erklaerbar und instrumentalisierbar ist. wir weigern uns das vergessen als den appendix des erinnerns hinzunehmen.

im politischen ist immer das richtige gefordert, das richtige entscheiden, das richtige machen, das richtige denken. aber das vergessen laesst sich nicht richten, nicht in die eine richtung und auch nicht in die andere.

wir wollen der gesellschaft das vergessen verkaufen, das vergessen in zaepfchenform, als feuerzeug, als plakat. ein geschaeft damit zu machen traegt dazu bei, ihm eine relevanz zu verleihen.

betrachten, recherchieren, verhandeln, sammeln, inszenieren, adaptieren, verfolgen, verkaufen, verfehlen, vergessen.

ablaeufe - anordnungen - diskussionen - ereignisse - zitate - missverstaendnisse - modelle. es geht darum wissen zu sammeln, zu generieren und zu formieren. es gibt keine politische oder inhaltliche konklusion, weil das feld offen ist. ueberquerungen und durchlaeufe sind auf verschiedenen ebenen in verschiedene richtungen moeglich.

niemand kann das vergessen fordern, foerdern oder verhindern. man kann die aufmerksamkeit auf bestimmte ausschnitte lenken, das ist alles.

vergessen ist nicht pathologisch, ist nicht eine fehlleistung und auch keine behinderung. vergessen ist ein ueberlebenswichtiger teil des menschlichen alltags.

herwig turk 1997

paradox

the project is the attempt to cope with a phenomenon, which seems inaccessable to known methods of epistemology. we cannot  easily discuss it, or label it and it can hardly be described.

we try to pace it out, to find borders by which it may be defined. Thus the project turns into a witch hunt, where the hunters coming from  different directions, drive the paradox into a corner, never doubting that the outcome of the hunt is bound to fail. Thus our technique is& opposed to a scientific procedure, which tries to guarantee feasibility and validation while still occupied with defining the problem. we are collecting information, we are collecting experiences, for us every failure is as valuable as a successful outcome.

forgetting cannot be brought into line, it defies one dimensional interpretation. forgetting is undogmatic. there seem to be discontinuities on all levels.

the project is the attempt to actively embrace one aspect of life which is almost totally ignored by our usual machines of knowledge. forgetting has only been mentioned in relation to diseases, mistakes, troubles of all kinds. we forget history.

is there a pattern behind it? a system? is it possible to talk about it, is it possible to work with it, is it possible to become aware of it? Do we want to know more about forgetting? is it even possible to know more about forgetting? we are working on projects dealing with various aspects of forgetting and its limitations, projects which should move forgetting into the realm of our experience, that we might better see and hear it. we are staging situations and producing objects which are supposed to hint at forgetting. we are looking at our everyday surroundings with the concept of forgetting on our minds. how to perceive forgetting? which experiences are transparent enough?

We want to develop an image for forgetting which is more positive than the pathological one. We refuse to accept that only those aspects of life can be perceived, which can be formulated, defined, made instrumental. we refuse to accept forgetting as an appendix to remembering.

in politics there is constantly the demand to find a solution, to fight for the right cause, to do the right thing, to think in a right way. but forgetting cannot be brought into line, it can neither be  adjusted with one definite direction nor with another.

we want to sell forgetting to society, we want  to sell forgetting in the form of suppositories, lighters, posters. to start a business with forgetting helps the project to secure relevance for itself.

patterns ­ sets ­ discussions ­ events ­ quotations ­ misunderstanding ­ models, we want to collect, to generate and to form knowledge. there is no political conclusion. there is no conclusion at all, because the field is open, there are possible transgressions and passways on various levels and in various directions.

nobody can claim, foster or prevent forgetting. it is possible to gear attention to various aspects. that is about all.

forgetting is not pathological, it is not a mistake and not a handicap. forgetting is a part of everybody's everydaylife which is crucial for survival.

herwig turk, 1997





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